Altes Vorurteil, neu entdeckt


Die DurchsetzerInnen können sich bestätigt sehen: Nicht weisse Männer belästigen an Silvester Frauen am Kölner Bahnhof und das massenweise, und nicht nur dort, sondern auch sonst wo werden Frauen belästigt. Nun wird deshalb wieder ein altes Klischee durchexerziert, in dem der vermeintliche kulturelle Hintergrund der vermeintlichen Täter, sprich Islam, als Ursache des frauenfeindlichen Verhaltens herausgestrichen wird. Denn die ScharfmacherInnen können sicher sein, dass das Bild des orientalischen Mannes mit grosser Libido aber nur kleinem Respekt gegenüber den Selbstbestimmungsrechten einer Frau tief in unserer kultureller DNA eingegraben ist.

So einfach geht heute Propaganda und damit ein Aufschrei durch das Abendland, doch in Tat und Wahrheit mag man und frau sich kaum über das neu entdeckte Bewusstsein für Gleichberechtigung und Frauenrechte freuen:

  1. Denn dies wird von fremdenfeindlichen Gruppierungen hüben und drüben des Rheins für ihre Propaganda gegen Flüchtlinge und alles weitere fremd aussehende benutzt und leider wird diese Masche wie üblich auch dank den Medien verfangen.
  2. Diese Gruppierungen entlarven sich mit ihrem Entsetzen über die schlimmen Vorkommnisse in Köln gleich selber. Sind es nicht die gleichen, die seit Jahren die Verbesserung der Stellung der Frau bekämpfen, die sich deren Gleichberechtigung nun unter rassistischen Motiven auf die Fahnen geschrieben haben? Ein Schelm, wer dabei an die Vorlagen wie Geschlechterquoten in Verwaltungsräten (jüngere Vergangenheit) oder Änderungen des Ehegesetzes oder die Einführung des Frauenstimmrechts (ältere Vergangenheit) denkt.

Letztendlich ist die Formel viel einfacher: Es gibt überall sexistische Menschen, egal ob sie ihreN PartnerIn verdreschen, fremde Personen belästigen oder sich politisch für die Benachteiligung eines Geschlechts einsetzen. Für die ersten zwei heisst die Lösung, möglichst viel Aufklärung (und Justiz, wenn das nichts nützt), für letztere, die richtigen Frauen oder Männer wählen.

Bildquelle: Populäre Phantasie über Harem und Hamam. Jean-Léon Gérôme: Bad im Harem (1889).