Positionspapier: Basel isst nachhaltig


Im Folgenden werde ich darlegen, welche Schlüsse wir aufgrund der im Positionspapier gemachten Definition einer nachhaltigen Ernährung ziehen und welche Strategie wir vorschlagen.

Zuerst muss aber darauf hingewiesen werden, dass der Kanton bereits im Bereich nachhaltigen Ernährung aktiv ist: So wurde der Milan Urban Food Policy Pact unterzeichnet, im letzten Jahr ein Massnahmenplan für nachhaltige Ernährung verabschiedet und zahlreiche zivilgesellschaftliche Initiativen rund um nachhaltige Ernährung werden vom Kanton unterstützt. Wir begrüssen dieses Engagement, sehen aber beim Kanton selbst noch Potenzial.

Täglich nehmen Zehntausende von Menschen Mahlzeiten oder Zwischenverpflegungen ein, bei welchen der Kanton einen Einfluss hat. Sei es bei Catering oder in staatlichen Betrieben wie Spitälern, Tagesstrukturen für Kinder, Schwimmbädern, Kunsteisbahnen, Museen oder Verpflegungsangeboten von öffentlich-rechtlichen Unternehmen wie zum Beispiel der Rheinschifffahrtsgesellschaft, der BVB oder der IWB.

Fast jede Baslerin und jeder Basler kommt ab und zu oder regelmässig in Kontakt mit solchen Institutionen. Das mittelfristige Potenzial des Kantons ist deshalb nicht zu unterschätzen. Der Handlungsspielraum beginnt schon beim Einkauf von Lebensmitteln oder beim Kauf einer Kaffeemaschine in der Verwaltung. Letztendlich kann das Ernährungsangebot beim omnipräsenten Kanton auch beim Individuum das Interesse für nachhaltige Essgewohnheiten wecken.

Der Kanton kann dabei Verantwortung übernehmen als Vorbild und er kann auch eine Pionier-Funktion einnehmen, indem er damit eine Nachfrage schafft, welche neue Impulse setzt. Schliesslich ist er per Verfassung auch dazu angehalten: In den Staatszielen und Staatsaufgaben ist festgehalten, dass er…

  • …erstens auf die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen und auf eine nachhaltige Entwicklung hinwirkt, wo nicht nur den Bedürfnissen der gegenwärtigen Generation entspricht, sondern auch die Möglichkeiten von zukünftigen Generationen nicht gefährdet.
  • …zweitens die Gesundheit der Bevölkerung schützt und fördert und Präventionsmassnahmen trifft.
  • ….drittens Massnahmen zur Reinhaltung von Erde, Luft und Wasser trifft und für die Erhaltung der Vielfalt von Tieren und Pflanzen besorgt ist.

Dementsprechend schlagen wir vier Schwerpunkte vor:

  1. Erstens die Förderung von nachhaltiger Ernährung in Staatliche Einrichtungen oder staatsnahen Institutionen, von der Verwaltung über die Spitäler bis hin zum Tagi.
    Im Speziellen möchte ich hier die Möglichkeiten im Bereich der Bildungseinrichtungen und der Kinderbetreuung herausgreifen. Zum einen, weil dies auf eine Tradition der Ernährungspädagogik zurückgreift, die bis heute zum Lehrplan 21 geht. Wenn auch aus anderen Gründen, wurden zum Beispiel bereits früher Schülerinnen und Schülern Äpfel oder Milch verteilt. Es ist also nichts neues, wenn der Staat auf diesem Feld aktiv wird. Zum anderen kann der Kanton mit einer durchgängig nachhaltigen Ernährung von früh auf sensibilisieren, was letztlich nicht nur die Lebensgrundlagen sondern auch die Gesundheit der Kinder im Blick hat. Die Förderung nachhaltiger Ernährung scheint uns hier besonders wichtig.
  2. Zweitens fordern wir ein verstärktes Engagement bei nationalen und internationalen Netzwerken und Auszeichnungen. Da die staatliche Politik an Grenzen stossen kann, kann es für eine Gemeinde oder im Falle von Basel-Stadt auch einen Kanton hilfreich sein, sich mit ähnlich ausgerichteten Gemeinden und Gebietskörperschaften zu verbinden. Solche internationalen Netzwerke haben vor allem für die progressiven Städte weltweit an Bedeutung gewonnen. Basel-Stadt soll deshalb zum Beispiel ähnlich dem Vorbild der deutschen Bio-Städte hier einen Schritt vorwärts machen, und damit auch zum Vorbild für andere Städte in der Schweiz werden.
  3. Drittens scheint uns eine nachhaltige Allmendbewirtschaftung wichtig. Hier sollen nachhaltige Verpflegungsmöglichkeiten, nachhaltige Lebensmittelangebote auf Märkten und auch eine nachhaltige Bepflanzung stärker gefördert werden.
  4. Schliesslich viertens wäre auch eine verstärkte Sensibilisierung der Bevölkerung wünschenswert, so zum Beispiel zur nachhaltigen Bewirtschaftung von Familiengärten.

Statement auf Basis und anlässlich der Publikation des Positionspapiers Basel isst nachhaltig – Der Kanton als Vorbild vom 17. Juli 2019.