Die Schweiz als Ausschaffungsgefängnis


Um uns vor der ach so struben Welt (mit ihren Flüchtlingen, El Niños und Euros) zurückzuziehen, haben wir laut Friedrich Dürrenmatt das Gefängnis Schweiz aufgebaut (auch Neutralität genannt). Das hat uns angeblich zumindest physisch schadlos durch zwei Weltkriege und einen Kalten gebracht. Wie das gelang: wir alle sind nicht nur die InsassInnen des Gefängnisses, sondern auch deren WärterInnen. So schützen wir unsere Sicherheit, in dem wir unsere Freiheit selbst einschränken.

Was die InsassInnen aber auch 2016 nicht begriffen haben und die Gefängnisverwaltung nicht zugeben kann: Ihre Sicherheit wird gar nicht durch das Gefängnis garantiert, sondern durch die legalen und illegalen Geld-, Waren- und Ideenströme in das Gefängnis hinein: die Gefängnisverwaltung nennt ersteres zum Beispiel Bankgeheimnis. Als nun die Welt um das Gefängnis herum sich wandelte und die Geldströme auszutrocknen beginnt, glauben die WärterInnen, dass einige InsassInnen die Idee des Gefängnisses verraten haben könnten. Andere glauben, dass es zu viele InsassInnen im Gefängnis hat, die mit weniger auskommen müssen.

Deshalb entschied sich ein Teil der InsassInnen und der Gefängnisverwaltung, dass die AusländerInnen Schuld an allem Übel seien: Sie sind als blosse InsassInnen von der WärterInnenpflicht entbunden, dürfen sich aber seit langer Zeit um die Instandhaltung kümmern. Und da sie als Nur-InsassInnen aus Sicht jener WärterInnen von der Sicherheit des Gefängnisses nur profitieren, soll ihre Freiheit eingeschränkt werden. Die nächste Etappe lautet: ausländische Personen, die gegen die Gesetze des Gefängnisses verstossen, sollen aus selbigem verbannt werden – sprich freigelassen werden. Da sie sich aber an das Leben im Gefängnis gewöhnt oder gar nie ausserhalb dessen gelebt haben, ist eine Resozialisierung sehr schwierig. So schätzt die Welt um das Gefängnis herum auch nicht, wenn die Gefängnisverwaltung selbst über Austritte aus dem Gefängnis entscheidet.

Es wäre deshalb an der Zeit, dass wenn die Gefängnisverwaltung schon nicht den Mut aufbringt, den InsassInnen und WärterInnen endlich zu gestehen, dass das Gefängnis nur Schein ist und es Freiheit nur noch mit dem Abbruch der Mauern gibt (Sie kann das nicht, weil sie und gewisse InsassInnen selbst durch die Kontrolle über die Ein- und Ausgänge des Gefängnisses profitieren). Dann soll sie wenigstens die AusländerInnen endlich zu richtigen InsassInnen, sprich WärterInnen machen. Denn es gilt: nicht der Luxus für alle InsassInnen wird knapp, sondern es können immer weniger über dessen Verteilung mitreden.

Bildquelle: The Downfall of Adam and Eve and their expulsion from the Garden of Eden.